| 14.02.2024, 15:44 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten |
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Haltegriffe, Kofferraumabdeckungen und Mittelkonsolen: Viele Fahrzeugteile sind aus Kunststoff gefertigt. Gegenüber Metall hat dies viele Vorteile – unter anderem ist Kunststoff deutlich leichter, was sich nicht zuletzt auf den Treibstoff- und Energieverbrauch von Autos positiv auswirkt. Die Entsorgung bzw. die Rückführung von Kunststoffen in den Wertstoffkreislauf gestaltet sich jedoch deutlich schwieriger, nicht zuletzt, weil die einzelnen Fahrzeugteile aus unterschiedlich zusammengesetzten Kunststoffkomponenten bestehen. Ein neues Forschungsvorhaben am IKK – Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik der Leibniz Universität Hannover (LUH) strebt unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Hans-Josef Endres einen Vergleich der gängigen Recycling-Methoden an. Die VolkswagenStiftung fördert das Projekt „Remotive - Zirkularität mit recycelten und biogenen Rohstoffen“ vier Jahre lang mit insgesamt 1,3 Millionen Euro. Projektpartner sind Wissenschaftler vom Institut für nachhaltige Chemie (INSC), Leuphana Universität Lüneburg, unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Kümmerer. Aktualität gewinnt das Forschungsvorhaben zudem durch die Pläne der Europäischen Union zu einer Verordnung, die die Verwertung von Altfahrzeugen neu regeln soll. Demnach sollen ab dem Jahr 2030 bei neuen Fahrzeugen mindestens 25 Prozent aller Kunststoffbauteile aus Rezyklat bestehen – davon sollen wiederum mindestens 25 Prozent aus Alt-Fahrzeugen stammen. Künftig bestehen also mehr als sechs Prozent aller Kunststoffbauteile eines Autos aus alten Automobilbauteilen. Beim Recycling von Kunststoffen gibt es drei übergeordnete Verfahren: da chemische, das lösungsmittelbasierte und das mechanische. Allen drei Recyclingverfahren ist gemeinsam, dass die Kunststoffe zuvor möglichst sortenrein getrennt werden müssen, um hochwertige Rezyklate zu erhalten. Dies ist vergleichsweise aufwändig, aber notwendig, da viele Bauteile, wie etwa eine Mittelkonsole, nicht nur aus unterschiedlichen Kunststoffen, sondern aus vielen verschiedenen Kunststoffkomponenten und zusätzlich aus anderen Materialien wie Metall, Faserverbundwerkstoffen oder Klebstoffen bestehen. Da die Kunststoffe in Fahrzeugen meist schwarz sind, fällt eine Trennung per gängigen spektroskopischen Verfahren aus, denn aufgrund der eingesetzten Farbstoffe werden die Teile nicht richtig erfasst. Stattdessen ist eine Demontage von Hand notwendig, da es sonst bei der Weiterverarbeitung leicht zu Schäden kommen kann – etwa durch metallische Verunreinigungen wie Klammern, die das Spritzgießwerkzeug beschädigen oder aber auch durch die giftigen Dämpfe, die entstehen können, wenn bestimmte Kunststoffe wie Polyvinylchlorid (PVC) bei hohen Temperaturen zusammen mit anderen Kunststoffen verarbeitet werden. „Remotive“ soll nun alle drei Recyclingmöglichkeiten an automobilen Bauteilen vergleichen, um unter anderem ihre Effizienz und Effektivität, Umweltbilanz und Kosten gegenüberzustellen. Am IKK stehen mechanische Recyclingverfahren im Mittelpunkt, die im Wesentlichen auf der mehrstufigen Reinigung in einem sogenannten Recycling-Extruder und anschließender Aufbereitung des so entstandenen Granulats für Spritzgießanwendungen basieren. Das Forschungsteam am INSC untersucht nachhaltige und grüne Ansätze für chemische und lösungsmittelbasierte Verfahren. Ziel ist es, die Grenzen, Möglichkeiten und Synergien der Recyclingansätze zu untersuchen und daraus Erkenntnisse für ein funktionales Produktdesign abzuleiten, um zukünftig ein optimiertes und nachhaltiges Recycling zu ermöglichen. Die Volkswagenstiftung fördert „Remotive“ innerhalb des Profilbereichs Gesellschaftliche Transformation. In diesem Bereich geht es um Forschung, die mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung Wissensbestände zu Transformationsprozessen erweitert und kritisch reflektiert. Weitere Informationen: www.ikk.uni-hannover.de, www.volkswagenstiftung.de |
IKK - Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik der Leibniz Universität Hannover, Garbsen
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